Mit einem Traum hat alles angefangen

Heute möchte ich mal die Gelegenheit nutzen, dir von meinen Erfahrungen zu berichten und ein paar Tipps zu teilen, was mir geholfen hat mein Ziel zu erreichen. Vielleicht hilft es dir ja auch!

Als ich 2019 mit Räuberliebe angefangen habe, war genau das der Grund: Ich wollte auch mal Designnähen! Und mit diesem Traum bin ich nicht alleine, das zeigen die hunderten und tausenden Bewerbungen, die auf eine Ausschreibung zum Designnähen kommen.

In der Zwischenzeit durfte ich tatsächlich für einige Designer nähen. Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als zum ersten Mal eine positive Rückmeldung kam! Da musste ich schon zweimal hinschauen, ob da wirklich mein Name steht 😉 An dieser Stelle vielen Dank an Ramona von GABENstapler, die mir als Erste ihr Vertrauen geschenkt hat!

Die Bewerbung

Aufrufe zum Designnähen gibt es immer wieder. Ob Stoffe, Schnittmuster, Plotts, Applikationen oder Stickdateien: Viele Händler&Designer suchen immer wieder auf Facebook nach Support. Ich folge meinen Lieblingsdesignern direkt, so bekomme ich schnell mit, wenn neue Designnäher gesucht werden. Dort gibt es außerdem auch Gruppen wie die Infogruppe Aufrufe Probenähen wo verschiedene Aufrufe geteilt werden.
Dann suche ich mein schönstes (hochwertigstes!) Foto raus und schreibe einen kurzen Text dazu, verlinke meine Seiten und los gehts!

 Mein Tipp für deine Bewerbung:
– Zu allererst brauchst du Facebook, da führt kein Weg dran vorbei. Falls du bisher nur auf Instagram aktiv warst, rate ich dir zur kostenlosen App „Business Suite“ (App Store / Google Playstore)  von Facebook. Damit kannst du deine Beiträge vorplanen und auf Facebook und Instagram gleichzeitig posten. Dann ist es kein großer Mehraufwand mehr, beide Plattformen zu bedienen.
– Bei 1200 Bewerbungen liest kein Mensch alle Texte. Deshalb lege den Fokus auf ein möglichst gutes Foto! Neben der Qualität des Fotos achte ich darauf, dass es zum Aufruf und Designer passt: wenn z.B. Lybstes jemanden für ein neues Jacken-Schnittmuster sucht, wähle ich ein Bild auf dem man sieht, dass ich Reißverschlüsse sauber vernähen kann. Wenn die Fuchsfamilie jemanden für ihre Stoffe sucht, wähle ich ein Bild auf dem auch Fuchsfamilienstoffe zu sehen sind. Du kannst auch mal auf den Produktseiten des Designers nachschauen, welche Art von Fotos er bevorzugt (Outdoor, helle Farben, Skandi-Style, viel/wenig Tüddel, …).

Die Stellschraube zum Erfolg: Gute Fotos!

Fotos sind wirklich das A und O wenn du Designnähen willst! Denn letztlich ist der Tauschhandel ja der, dass du den Stoff gestellt bekommst und der Designer/Händler schöne Fotos bekommt um sein Produkt zu bewerben. Ich habe mich lange dagegen gesperrt extra Ausrüstung anzuschaffen und es doch mit dem Handy versucht. Auch 86% von euch haben in meiner Instagram-Umfrage angegeben, dass sie mit dem Handy fotografieren.
Aus Erfahrung kann ich euch sagen:  An dieser Stelle lohnt sich eine Anschaffung wirklich! Ich hab mich 1,5 Jahre erfolglos beworben, mir ein tolles Objektiv für die Kamera gekauft und in der ersten Runde Bewerbungen mit den neuen Fotos zwei Designnähen an Land gezogen, unter anderem für Lybstes! Und eine gute Kamera nutzt du dann ja nicht nur fürs Designnähen sondern kannst auch wunderschöne Familienbilder damit machen! Uns spart das den Gang zum Fotografen.

Meine Tipps für deine Foto-Ausrüstung:

– Für gute Fotos empfehle ich dir eine Spiegelreflex- oder Systemkamera. Ich mag die Systemkamera lieber, weil sie im Gegensatz zu Spiegelreflex etwas leichter und handlicher ist, was grade für Kinderfotos unterwegs super wichtig ist. Ich persönlich fotografiere mit der Sony Alpha 6000*.  Die hat außerdem einen ganz guten Automatik-Modus, falls man keine Ahnung von den ganzen Einstellungen hat oder (wie ich oft) keinen Nerv mit nem flitzenden Kleinkind Details einzustellen). Wer noch etwas mehr Luxus will, für den könnte auch die Canon EOS 50 Mark II* etwas sein. 
– Das zweite Musthave ist ein passendes Objektiv mit Festbrennweite*, ich hab dir auch mal meins verlinkt. Damit entsteht der Effekt mit dem verschwommenen Hintergrund den du auf den meisten Designnäher-Fotos siehst. Das lässt sich zwar teilweise am Handy nachahmen oder per App nachbearbeiten, aber den Unterschied sieht man trotzdem am Ende deutlich!

Es geht los – Einladung in die Facebook-Gruppe!

Der Moment wenn  man dann tatsächlich ausgewählt wird ist erst mal echt ein kleiner Adrenalinkick! Bei manchen Designern kommt das als Privatnachricht, in einem Fall wurde ich auch einfach im Beitrag markiert und habe mich dann selber gemeldet.
Wenn der Kontakt hergestellt ist, geht es per Einladungslink in die Facebookgruppe. Dort teilt der Designer alle wichtigen Infos: bei Digitalem die Datei, bei Stoffen die Versandinfos und vor allem die Timeline – bis wann was fertig sein soll.
Dann ist der Austausch eröffnet – die Teilnehmer machen sich an die Arbeit und präsentieren nach und nach ihre Ergebnisse. Bisher war es in jeder Gruppe ein wirklich netter und positiver Austausch miteinander!
Bei einem Probenähen (wenn ein Schnitt oder eine Datei getestet werden soll) dauert der Prozess etwas länger als beim reinen „Designnähen“. Dort geht es ja nicht nur um schöne Werbefotos, sondern auch darum z.B. den Schnitt zu testen und evtl. weiterzuentwickeln, bis er verkaufsreif ist. Dazu gibt es oft eine erste Version die man näht und dann fotografiert (hier reichen einfache Handyfotos) und Feedback gibt: Passt die Passform zu den angegebenen Maßen? Gibt es Änderungswünsche (z.B. Halsausschnitt breiter, in der Länge kürzen,…)? Das Feedback wird eingearbeitet und eine neue Version online gestellt. So geht es bis der Designer zufrieden ist. Erst dann werden die wirklich guten Fotos gemacht und das eBook veröffentlicht.

Die zwei häufigsten Fragen zum Designnähen

Meine Instagramfollower hatten im Vorfeld die Chance Fragen zu stellen. An dieser Stelle herzlichen Dank! Es macht immer mehr Spaß, wenn ich weiß was dich genau interessiert. Also hinterlasse mir auch gerne einen Kommentar, wenn noch Fragen offen sind!
Ich habe versucht alles mit einzuarbeiten und möchte hier nochmal auf die beiden Fragen direkt eingehen die am häufigsten gestellt wurden:

Wie lange hat man denn Zeit?
Das variiert stark je nach Designer. Die meisten geben es auch im Aufruf schon mit an, so dass du weißt auf was du dich einlässt. In der Regel sind es 1-2 Wochen. Du solltest dich also nur bewerben, wenn du genügend Nähzeit hast und das benötigte Material (Bündchen, Reißverschlüsse, weitere Stoffe,…) zuhause hast oder vor Ort besorgen kannst. Mit Online-Bestellungen wird es oft knapp, gerade jetzt zu Corona-Zeiten.
Mein „sportlichstes“ Designnähen war für die Fuchsfamilie, dort habe ich mich auf ein Überraschungspaket beworben und wusste nicht was nicht erwartet. Montags kamen dann knapp 6 Meter!! Stoff hier an, Abgabe nach einer Woche! Parallel dazu hatte ich grade noch einen tollen Plott von GABENstapler auf dem Nähtisch, der fertig werden musste. In sechs Nachtschichten sind dann zwei Pullis für mich, ein Stirnband, zwei Strampler, zwei Pullis für den Räuber, einer für den Krümel, eine Pumphose und eine Matschhose entstanden. Das ist schon echt Oberkante Abenteuer, aber neben Augenringen hat es auch jede Menge Spaß gemacht! Und ich war super glücklich, dass mir so viele tolle Stoffe anvertraut wurden! Als sie dann online gingen hab ich tatsächlich nochmal Nachschub geordert!

Ist es immer leicht, den perfekten Schnitt zu finden?
Ich persönlich mag den Hoody und die Pumphose 2.0 von Lybstes sehr gerne. Ich würde auf jeden Fall raten einen erprobten Schnitt zu nehmen und lieber noch ein paar kleine Extras einzubauen wie Teilungen oder kleine Extras am Bündchen. Ein neuer Schnitt birgt immer das Risiko, dass am Ende etwas schief geht. Bei dieser Matschhose zum Beispiel habe ich einen neuen Schnitt ausprobiert und mich in der Anleitung verlesen. Das hat mir ein Extra-Date mit dem Nahtauftrenner eingebracht und jede Menge Nerven gekostet, bis ich wusste wie ich die Reflektorpaspel ersetze die das Auftrennen nicht vollständig überlebt hat. Richtig brenzlig wird es, wenn dann von dem eigentlichen Designstoff zu wenig übrig bleibt oder ein Panel verschnitten ist. Also mein Tipp: Bleib bei deinen Basics!
Welches Teil aus welchem Stoff wird, oder wie genau man kombiniert wenn es mehrere Stoffe sind – das braucht schon etwas Zeit. Ich nehme mir am Anfang immer Papier und Stift und male mir eine grobe Skizze. Manchmal hilft es auch, kleine Stücke aus dem Stoff auf die Skizze zu legen, um zu schauen ob es passt wie man sich vorgestellt hatte. Diese Vorplanung kann schonmal genauso lang gehen wie das Nähen selber. Aber es lohnt den Aufwand auf jeden Fall, grade wenn man keinen zweiten Versuch hat!

Schlussspurt – jetzt gehts an die Fotos!

Wenn alles vernäht ist, geht es an die Fotos! Das braucht mindestens nochmal genauso lange Zeit (eher mehr).
Für mich ist das auch immer der spannendere Teil, weil ich dort nicht mehr so viel selbst in der Hand habe. Jetzt werkle ich nicht mehr alleine an der Maschine, sondern muss hoffen dass Wetter, Licht und vor allem der Räuber mitmachen.
Mittlerweile habe ich meine zwei-drei Lieblingslocations wo ich einfach weiß aus welchem Winkel die Fotos am besten werden und auf was ich sonst so achten muss, das macht die Sache etwas entspannter. Und der Räuber wird inzwischen in Schokobons oder Mangos für die Mitarbeit bezahlt 😉

Mein Tipps für gute Fotos:
– Schnapp dir dein Handy, scrolle mal auf Instagram deine liebsten Designnäher durch und speichere dir (Button rechts unterm Bild) die Bilder ab die dir intuitiv am besten gefallen. Dann nimm dir ein paar Minuten Zeit zum analysieren: Was haben diese Bilder gemeinsam? Welche Farbstile und Posen gefallen dir am besten? Das hilft dir deinen eigenen Stil zu finden.
– Achte bei deinen Fotos darauf, dass du das Hauptmotiv (z.B. den Pulli oder Plott) nicht mittig platzierst. Du kannst die so genannte 1/3-Regel anwenden: stell dir dazu ein Gitter mit 4 Linien vor, dass dein Bild in 9 gleichgroße Bereiche teilt. Bei manchen Kameras kannst du dieses Hilfsgitter auch direkt im Display einblenden lassen. Gerade Linien (wie z.B. den Horizont, Häuserwände, Körper, … positionierst du am besten auf den Linien. Die Highlights (Panelbilder, Gesichter,…) auf die sich der Blick richten soll platzierst du am besten auf den Punkten wo sich die Linien kreuzen.
Hundertprozentig lässt sich diese Regel natürlich nicht anwenden wenn man ein Kind in Bewegung fotografiert, oder wenig Zeit hat, aber ich achte meistens darauf es wenigstens grob hinzukriegen. Diese Positionierung macht Fotos fürs Auge unterbewusst einfach ansprechender.
– Und noch eine Faustregel zum Licht: Vermeide alles was Schatten auf deinem Motiv wirft. Gute Ausleuchtung ist wichtig, aber wähle deine Location lieber an einem hellen Tag im Schatten als im gleißenden Licht. Aufhellen ist immer einfacher als „verbrannte Stellen“ im Bild zu reparieren.
– Sich selbst fotografieren ist noch so ein spannendes Thema. Mir ist es immer ein bisschen unangehem jemand anderem die Kamera in die Hand zu drücken. Ich greife lieber zum Funk-Selbstauslöser* und Stativ*, da fühle ich mich freier auch mal ein bisschen zu „posen“ und eine Serie unvorteilhafter Fotos zu schießen bis das passende gute dabei ist 😉
– Wenn du tiefer ins Thema Fotografie eintauchen möchtest, kannst du bei YouTube mal nach Videos suchen z.B.  über den goldenen Schnitt (Bildaufbau) oder die goldene bzw. blaue Stunde (Licht).

Nochmal kurz mit der Bildbearbeitung drüber…

Nach dem Fotografieren geht es noch eine schnelle Runde an die Bildbearbeitung. Meine Alpha 6000* hat die tolle Funktion, das ich die Bilder schon unterwegs direkt aufs Handy übertragen kann. Also kann ich jederzeit mit der Bildbearbeitung loslegen.
Ich hab dazu die App „Lighthleap“ (App Store / Google Playstore) mit der ich über jedes Foto nochmal rüber gehe. Kontraste, Helligkeit, Highlights setzen, die Sättigung der Farben anpassen, Schatten reduzieren, Bildausschnitt wählen (auch hier mit den 1/3-Gitter). Das geht dann wirlich nur noch  ein paar Minuten. Ich hab mir von der App die Proversion geleistet (20€/Jahr), damit kann ich mir eigene Einstellungen als Farbfilter speichern und kleine Fehler retuschieren – super wenn auf dem weißen Pulli schon ein Kabafleck gelandet ist oder im Hintergrund hässliche Straßenpfosten zu sehen sind –  ein Wisch und weg!

Yay! Endlich können die Werke präsentiert werden!

Wenn die Fotos beim Designer sind, das eBook fertig, der Stoff im Shop angelegt, dann kommt irgendwann das Go! „Ab morgen 20 Uhr dürft ihr die Werke zeigen!“
Und dann beginnt der Teil, der so richtig Spaß macht: Teasern, „coming soon“-Storys posten, verkünden wenn der Plott/Schnitt/Stoff online ist! Beiträge posten und sie in verschiedenen Nähgruppen teilen. Kurz gesagt: so richtig die Werbetrommel rühren.
Und am allerbesten – sich einen Kaffee holen und die Produktseite durchstöbern welche deiner Fotos es geschafft haben – und deinen Erfolg feiern!
Beim Lybstes Männershirt habe ich quasi den ganzen Tag durchgefeiert 😉 Facebook, Instagram, Blogbeitrag und eBook – ich habe es überall reingeschafft. Bei Instagram sogar das erste Bild im Feed und auf dem eBook das mittlere der drei Titelbilder. Du merkst, ich bin heute noch stolz wie Bolle 🙂

Von welchem Designnähen träumst du? Hast du schon mal eines mitgemacht? Was waren deine Highlights? Was sind deine besten Tipps? 
Ich bin gespannt, schreib es mir gerne in die Kommentare!

[Dieser Beitrag enthält Werbung]
Die abgebildeten Stoffe, Plotts und Schnitte wurden mir teilweise im Rahmen von Designarbeiten kostenlos zur Verfügung gestellt. Den Rest habe ich aus Überzeugung selbst gekauft. Mit * gekenntzeichnete Links sind Affiliatelinks. Wenn du darüber etwas kaufst, erhält Räuberliebe eine kleine Provision. Bei Interesse an einem der Produkte freue ich mich also wenn du über meinen Link kaufst, so kannst du Räuberliebe direkt unterstützen. Für dich entstehen dabei natürlich keine Mehrkosten. 
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