Babyromantik & Wirklichkeit

Wenn wir an Neugeborene denken, fallen uns meistens pausbäckige rosige Babys ein. Wohlig angekuschelt bei Mama oder friedlich schlummernd in einer schönen Babywiege. Aber nicht für jede Familie ist das die Realität hinter einer Geburt. Von den rund 770.000 Kindern, die in Deutschland jährlich zur Welt kommen, werden ca. 70.000 als Frühchen geboren, also vor der 37. Schwangerschaftswoche. Ca. 3.000 Kinder kommen als Totgeburten zur Welt, so genannte Sternenkinder. Das statistische Bundesamt zählt hier allerdings nur die Kinder ab 500g und der vollendeten 22. Schwangerschaftswoche dazu, die tatsächliche Zahl der Sternenkinder ist also noch deutlich höher. 

Nicht selbstverständlich

Das sind harte Zahlen und eine große Herausforderung für die betroffenen Familien.
S
eit meiner Schwangerschaft mit dem Räuber beschäftigt mich diese Differenz zwischen Babyromantik und Wirklichkeit. Plötzlich war ich hellhöriger für diese anderen Geschichten. Ich habe sie selbst nie erlebt, aber einige meiner Freunde und Bekannten haben mir von ihren Sternenkindern erzählt. Und manches habe ich auch mit ihnen erlebt.
Mir wurde einmal mehr bewusst, dass wir nicht alles im Leben selbst in der Hand haben und wie wenig selbstverständlich es ist, am Ende einer Schwangerschaft ein gesundes Kind im Arm zu halten.

Seit ich wieder aktiv nähe, habe ich auf Facebook einige Gruppen kennengelernt, die Familien in dieser Zeit beistehen. Es gibt nämlich so viele Möglichkeiten mitzuhelfen – ganz besonders für alle Selbernäher und -häkler, aber auch für alle anderen! Und ich möchte heute die Chance nutzen, dir ein paar Möglichkeiten vorzustellen, wie auch du mithelfen kannst!

So kannst du helfen:

Informiere dich

Lies dich gerne mal ein bisschen in die Thematik ein: mit Artikeln wie diesem aus dem Gießener Anzeiger oder hier beim Bundesamt für Statistik. Auch bei Vereinen wie „Herzensache – Nähen für Frühchen und Sternenkinder e.V.“ findest du mehr Informationen.

Nähe, stricke, häkle

Wenn du handarbeitsbegabt bist – wunderbar! Dann kannst du dich ganz praktisch beteiligen. Kleidung und Decken nähen, Kuscheltiere und Schühchen häkeln, …
Am besten du informierst dich bei einem der Vereine oder fragst direkt bei deinem nahegelegenen Krankenhaus an, mit wem sie zusammenarbeiten bzw. ob dort Hilfe benötigt wird und auf was du beim Nähen/Häkeln achten musst. Besonders für Frühchen gibt es oft wichtige Vorgaben.
Am Ende des Artikels liste ich dir einige Vereine auf, denen ich bisher begegnet bin. Und falls du noch einen Verein kennst, der nicht genannt wurde: schreib ihn mir gerne in die Kommentare!
Einige Schnittmuster-Designer wie Zierstoff bieten übrigens extra für diese Arbeit kostenlose Schnittmuster in den kleinen Größen an.

Spende deine Reste

Wer kennt es nicht: Beim Nähen und Häkeln fallen oft Reststücke an Stoff oder Wolle an, die dann im Müll oder in der Restekiste landen. Hier ist helfen so einfach: Die ehrenamtlichen Helfer der Vereine sind immer dankbar für Materialspenden – frage einfach dort nach, ob und welches Material sie gerade brauchen können. Stoffstücke können je nach Verein schon ab 15x15cm bzw. 40x40cm verwendet werden!
Eine besonders schöne Idee finde ich das Spenden von Brautkleidern, aus denen dann z.B. Einschlagdecken für Sternenkinder genäht werden.

Unterstütze die Vereine

Die großen Vereine brauchen auch immer wieder finanzielle Unterstützung. Für verschiedene Projekte, für Materialen, für Öffentlichkeitsarbeit. Ihr könnt euren Verein meist über ein Spendenkonto unterstützen.
Bei einigen Portalen wie AmazonSmile könnt ihr auch einen der Vereine als Begünstigten angeben – dann wird von euren ganz normalen Einkäufen eine kleine Proviosion an den gewählten Verein gespendet – ohne das es euch etwas kostet.

Bete

Ich verstehe nicht alles, was auf der Welt passiert und auch nicht warum Gott manchmal nicht einfach Leid verhindert. Aber ich weiß, dass ich in keiner Situation alleine bin. Ich weiß, dass er immer an meiner Seite ist, dass er es gut mit mir meint und mit mir auch durch die schwersten Stunden geht. Dieses Wissen speist sich aus eigener Erfahrung. Und aus der meiner Freunde und Bekannten, die Kinder zu früh gehen lassen mussten.
Deshalb: lass uns beten, mit und für die Familien, wo sie vielleicht keine Worte mehr finden können.

Sprich darüber

Fehlgeburten, Totgeburten, Frühgeburten, Säuglingstod – das alles sind oft Tabuthemen über die nicht gesprochen wird. Und nicht jeder Betroffene möchte über seine Erfahrungen sprechen, weil es einfach sehr tiefe & persönliche Erlebnisse sind.
Als ehrenamtlicher Helfer kannst du über die Arbeit der Frühchen & Sternchennäher berichten – so wie andere von ihrem Fußballverein oder vom Roten Kreuz erzählen. So kannst du ein Bewusstsein für die Thematik schaffen. Damit öffnest du eine Tür für diejenigen, die über ihre Erfahrungen reden möchten – und machst die Arbeit bekannt, so dass es immer mehr Leute gibt die im Notfall wissen, dass ihnen hier geholfen wird.

Du kennst noch weitere Vereine die für Frühchen und Sternchen nähen? Oder hast noch Ergänzungen oder Anregungen? Schreib es mir gerne in die Kommentare!

[Dieser Beitrag enthält Werbung]
Alle Links in diesem Beitrag sind unbezahlte Werbung.
Quellen der Icons aus diesem Beitrag:
Alle Icons von Flaticon – Info, Gespräch, Paket made by Freepik, Gebet made by Zlatko Najdenovski, Spenden made by Tomas Knop, Nähmaschine made by Roundicons